Baufinanzierung Zinsen, Faktoren, Zinssatz, Prognose

Kredit und DarlehenBaufinanzierung – Baufinanzierung Zinsen, Faktoren, Zinssatz und Prognose

Baufinanzierung Zinsen

Die Zinsen für eine Baufinanzierung verharren auch im Sommer 2019 auf einem historischen Tiefststand. Bei einer fünfjährigen Sollzinsbindung wäre eine Baufinanzierung schon für einen effektiven Jahreszins von 0,47 % zu haben.

Das ist sensationell günstig, jedoch eine Momentaufnahme. Es gilt daher, sich allgemein Klarheit darüber zu verschaffen, wovon die Zinsen für eine Baufinanzierung abhängen.

Baufinanzierung Zinsen: Faktoren

Unter anderem finden Sie diese Faktoren, welche für die Zinsen der Baufinanzierung verantwortlich sind:

  • Höhe des Darlehens
  • Beleihungswert bzw. Anteil des Eigenkapitals
  • Dauer der Sollzinsbindung
  • Darlehensanbieter
  • Solvenz des Baufinanziers

Generell gilt, dass ein hoher Beleihungswert und eine lange Sollzinsbindung ebenso wie eine eher schwache Solvenz des Baufinanzierers am ehesten die Zinsen verteuern.

Die Höhe des Darlehens kann, muss aber keinen signifikanten Einfluss haben. Wenn der Beleihungswert beispielsweise nur 50 % beträgt, weil der Baufinanzierer die Hälfte der erforderlichen Summe als Eigenkapital aufbringt, wenn außerdem die Sollzinsbindung nur kurz ist (beispielsweise drei bis fünf Jahre) und wenn es sich um einen sehr solventen Kreditnehmer handelt, dann könnte auch ein sehr hohes Darlehen äußerst günstig zu haben sein.

Was ist von aktuellen Zinsangeboten zu halten?

Die publizierten Zinsen verstehen sich stets als sogenannte Bestzinsen, die optimale Bedingungen vonseiten des Kreditnehmers bei dessen Darlehensaufnahme voraussetzen.

Sie sind daher immer als beispielhaft aufzufassen. Für eine indikative Zinsberechnung, bei der die persönlichen Voraussetzungen geprüft werden, stellen die Anbieter Online-Rechner zur Verfügung. Ein konkretes Angebot kann es nur nach Prüfung aller Unterlagen geben. Dazu gehören:

  • die Unterlagen zum Objekt, das finanziert werden soll
  • die Unterlagen zu den Einkommens- und Vermögensverhältnissen des Kreditnehmers
  • der Stand des Eigenkapitals
  • konkrete Vorstellungen zur Sollzinsbindung
  • die gewünschte Kredithöhe
  • der Beleihungswert

Die Konditionen unterscheiden sich auch in unterschiedlichen Regionen. Zudem werden oftmals verschiedene Zinsen für die Erst- und die Anschlussfinanzierung nach dem Ablauf der Sollzinsbindung verlangt.

Wenn Sie eine Baufinanzierung berechnen möchten, erfahren Sie in gleichnamigen Beitrag mehr.

Zinsentwicklung 1967 – 2019

Eine weitere Übersicht zu den Zinsen für Wohnungsbaukredite an private Haushalte / Hypothekarkredite auf Wohngrundstücke erhalten Sie bei der Bundesbank als PDF.  In diesem Dokument finden Sie in tabellarischer Darstellung die Zinsen der Jahre 1967 – 2019.

Baufinanzierung Zinsen von 1967 - 2019 Zinsentwicklung letzte 50 Jahre
Baufinanzierung Zinsen von 1967 – 2019 Zinsentwicklung letzte 50 Jahre

Prognose der Baufinanzierungszinsen

Es stehen Prognosen für die Entwicklung der Zinsen bei Baufinanzierungen zur Verfügung. Diese basieren auf der historischen Zinsentwicklung, die allerdings nur bedingt Rückschlüsse auf die kommenden Jahre zulässt.

Generell gilt: Solange die EZB an ihrer Null- oder Niedrigzinspolitik festhält, sind auch sehr niedrige Zinsen für die Baufinanzierung zu erwarten.

In den Jahren 2017 und 2018 galt das als unsicher, weil die US-amerikanische Fed langsam wieder die Leitzinsen erhöhte. Doch inzwischen will auch die Fed wieder die Zinsen senken, um einem drohenden Wirtschaftsabschwung vorzubeugen (Stand: Juni 2019).

Da die EZB auch in den vergangenen Jahren eisern an ihrer Nullzinspolitik festhielt, dürfte sich daran angesichts der jüngsten Entwicklungen kaum etwas ändern. Grundsätzlich sollten künftige Bauherren, die kurz vor ihrem Finanzierungsantrag stehen, die Zinsprognosen zeitnah verfolgen.

Das Niveau der Baufinanzierungszinsen ändert sich fast täglich, wenn auch oft nicht sehr stark. Die Kreditinstitute gewähren die Darlehen immer zum aktuellen, marktüblichen Zinssatz.

Daher ist der Zeitpunkt, zu welchem ein Bauherr seine Baufinanzierung aufnimmt, für die Zinsen sehr entscheidend. Wer an die Prognose künftig niedriger Zinsen glaubt, kann eine Baufinanzierung mit einer kurzen Sollzinsbindung – daher besonders günstig – abschließen.

Dieser Bauherr vermutet, dass er die Anschlussfinanzierung ähnlich günstig bekommt. Wer daran nicht glaubt, wählt entweder die längere Sollzinsbindung oder sichert sich heute günstige Zinsen mithilfe eines Forward-Darlehens bis zu fünf Jahre im Voraus.

Wie verlässlich können Zinsprognosen sein?

In Wahrheit kann niemand in die Zukunft schauen. In den letzten Jahren gab es ständig neue Tiefststände bei den Baufinanzierungszinsen. Daher sagten viele Marktbeobachter schon etwa 2014 eine Zinswende voraus.

Heute, im Jahr 2019, wissen wir, dass sie sich geirrt haben. Bei der derzeitigen leichten Abkühlung der Weltkonjunktur rückt gerade in Europa eine Zinserhöhung in weite Ferne. Das liegt an der extrem expansiven Geldpolitik der EZB, die ein künstlich niedriges, nach Expertenmeinung nicht marktgerechtes Zinsniveau schafft.

Doch Bauherren können sich darüber freuen, auch wenn Sparer darunter leiden. Die EZB will damit nach Kräften das Wachstum der EU-Volkswirtschaften fördern und die Zinsbelastung der südeuropäischen Schuldenstaaten reduzieren. Da sich an den fundamentalen Verhältnissen so schnell nichts ändert und vor allem die Schuldenberge nicht sinken, wie das jüngste Beispiel Italien zeigt, ist eine rasche Zinserhöhung extrem unwahrscheinlich.

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